Liebe Leser, der folgende Artikel beruht auf Tatsachen der modernen Forschung, die dem ein oder anderen von Ihnen gänzlich neu sein werden. Verständlich ist somit Ihre Skepsis gegenüber dem Inhalt und den möglichen Konsequenzen. Nichts desto trotz enthält dieser Text unabstreitbare Fakten, die den Wahnsinn des 21. Jahrhunderts nicht deutlicher und dramatischer Aufzeigen könnten. Im Anhang finden Sie weiteres Anschauungsmaterial. Gehirnmanipuliert und enthemmt von Drogen: So stellen sich Militärforscher den Soldaten der Zukunft vor. Mithilfe neuronaler Technik soll er ein physischer Bestandteil der Waffensysteme werden – eine Tötungsmaschine ohne Moral und menschliche Schwächen.

Am 19. November 2005 um 7.15 Uhr morgens versucht ein amerikanischer Konvoi, die irakische Stadt Haditha zu durchqueren. An Bord der vier Militärfahrzeuge sind elf Marines der Elite-Kompanie „Kilo“, die zum legendären 3. Bataillon des 1. Marineinfantrieregiments gehört – einer der höchstdekorierten Kampfeinheiten der USA.

Der kleine Konvoi kommt nicht weit. Schon am Ortseingang explodiert ein sogenanntes IED (Improvised Explosive Device), eine selbst gebastelte Bombe, unter dem vierten geländegängigen Humvee. Das Fahrzeug wird in zwei Teile zerrissen. Der Fahrer, Hauptgefreiter Miguel Terrazas, kommt dabei ums Leben. Die Kolonne stoppt – und dann beginnen die überlebenden amerikanischen Soldaten eine Racheaktion, die später als das Massaker von Haditha bekannt wird.

Zunächst zerren sie fünf Männer aus einem Taxi und töten sie auf offener Straße; die vier Fahrgäste sind Studenten am Technischen Institut in Saqlawiyah. Danach dringen die Soldaten in die Häuser am Straßenrand ein. Im ersten Haus erschießen sie einen 76-jährigen Großvater im Rollstuhl mit mehreren Maschinengewehrsalven in Brust und Bauch. Danach massakrieren die Marines die ganze Familie einschließlich Frauen und Kinder. Das jüngste Opfer ist Abdullah, 4 Jahre alt.

Im nächsten Haus sterben acht Menschen im Kugelregen der US-Soldaten, darunter sechs Kinder; das jüngste, ein Mädchen, ist erst ein Jahr alt. Die Frau des Hausbesitzer, Aida, findet den Tod, als sie sich über ihre dreijährige Tochter Aisha wirft, um diese zu schützen. Im dritten Haus werden vier Brüder mit Granaten getötet. Als die Marines der Kilo-Kompanie sich zurückziehen, liegen 24 irakische Zivilisten tot oder sterbend in ihrem Blut.

„Es ist mehr als wahrscheinlich“, sagte die Ehefrau eines der beteiligten Marines nach dem Massaker, „dass sie auf Speed völlig wegflippten, als sie die Zivilisten ermordeten.“ Der Ex-Soldat Cliff Hicks bestätigte in einem Interview, dass US-Soldaten im Irak täglich bis zu fünf Pillen Benzhexol einnahmen, um Angst und Stress in der extrem feindlichen Umgebung zu vergessen. Benzhexol ist eigentlich ein Medikament gegen das Muskelzittern bei Parkinson, aber im Krieg wird es wegen seiner halluzinogenen Wirkung eingesetzt. „Wenn man genug Pillen davon nimmt, fühlt man sich wie Superman. Die Leute“, sagte Higgs, „gehen vollkommen stoned auf Patrouille.“

Nach dem Blutbad von Haditha kam ans Tageslicht, dass 60 Prozent aller US-Kampfpiloten bei Einsatzflügen über dem Irak oder Afghanistan die Partydroge Ecstasy einnehmen. Bei der Airforce heißen die Speed-Tabletten „Go-Pills“. Ihr dienstlicher Einsatz ist tatsächtlich durch das „Einsatzprogramm des HQ PACAF (Headquarter Pacific Air Forces)“ ausdrücklich geregelt. Zurück vom Kampfeinsatz, schlucken die Piloten „No-go-Pills“, die dabei helfen, wieder zur Ruhe zu kommen und einzuschlafen.

Bereits die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg experimentierte mit bewusstseinsverändernden Drogen. In Kiel wurde 1944 die Speed-Pille D-IX entwickelt, ein Kombi-Präparat aus fünf Milligramm Kokain, drei Milligramm Pervitin (ein synthetisches Stimulanzmittel), fünf Milligramm Eukodal (ein schmerzstillendes Morphinpräparat) und einem synthetischen Kokain der Firma Merck. D-IX sollte die Soldaten bis zu 60 Stunden lang bei höchster Aufmerksamkeit wach halten und damit die Wehrmacht zum Endsieg verhelfen. Bevor es jedoch flächendeckend eingesetzt werden konnte, war Deutschland besiegt.

Die Manipulation von Soldaten gehört seit je zu den wichtigsten Aufgaben der Militärs. Absoluter Gehorsam und der effektive Gebrauch tödlicher Waffen müssen erst einmal trainiert werden. Der Mensch ist dafür von Natur aus nicht geschaffen. In modernen Armeen sind Soldaten deshalb der größte Risikofaktor für einen erfolgreichen Kriegsverlauf. In fast allen Situationen ist das technische Material dem Menschen haushoch überlegen. Kampfjets sind für Flugmanöver geeignet, die der menschliche Körper nicht aushalten kann. Waffenleitsysteme funktionieren akkurater als jeder Scharfschütze. Und Computer berechnen strategische Optionen schneller als jeder Offizier.

Nur darum versuchen Militärs, den Einsatz von Menschen zu verhindern, wo immer es geht. Ferngesteuerte Roboter entschärfen Sprengsätze, und über den Schlachtfeldern sind unterdessen mehr unbemannte Drohnen unterwegs, als mit Piloten besetzte Kampfflugzeuge. Selbst die meisten Einsätze gegen Al-Qaida-Führer in Afghanistan, Somalia und Jemen werden von Kampfdrohnen ausgeführt. Die unbemannten Flugobjekte vom Typ Predator töten ihre menschlichen Zielobjekte mit hilfe von Tarnkappen-Technologie und Hellfire-Raketen, die an ihrem Rumpf befestigt sind.

Nur das menschliche Gehirn ist im Moment noch unersetzlich im Krieg. Schneller und besser als jeder Computer kann es komplexe, mehrdimensionale Situationen erfassen und angepasste Reaktionen entwickeln. Das ist sein Vorteil. Sein Nachteil – aus militärischer Sicht – liegt darin, dass es Handlungen moralisch bewertet. Das verzögert manchmal den Schießbefehl, und gelegentlich wird er sogar verweigert.

Deshalb arbeiten die Militärs verstärkt daran, die Nachteile des menschlichen Gehirns auszuschalten und nur die Vorteile zu nutzen. Drogen sind ein Mittel, um dieses Ziel zu erreichen. Aber die Experten wissen innzwischen, dass die Gehirnforschung noch bessere Methoden bereithält: Sie sind dabei, einen Cyber-Krieger zu entwickeln, dessen Gehirnströme direkt mit dem Waffensystemen verbunden sind.

Bereits vor fast zwanzig Jahren sagte der Militärforscher Chris Hables-Gray: „Heute wird der Soldat umgebaut, um lückenlos in die Waffensysteme zu passen. Die Grundeinheit jedes Krieges, der menschliche Körper, dier der Ort dieser Veränderungen – sei es der „wetware“ (Hirn/Hormone), der „software“ (Gewohnheiten, Fähigkeiten, Disziplin) oder der „hardware“ (Körper). Der postmoderne gemeine Soldat ist entweder tatsächlich eine Maschine, oder er wird durch Psychotechnologien wie Drogen, Disziplin und Führung dazu gebracht, wie eine Maschine zu handeln.

Wie weit die Militärs bei dieser Umwandlung von Mensch zu Mensch-Maschinen-Systemen bereites gekommen sind, hat jetzt die berühmte Royal Society, die britische Akademie der Wissenschaften, in einem umfangreichen Bericht zusammengetragen. Der Einsatz von Drogen steht darin gar nicht mehr zur Diskussion. Er ist selbstverständlich in modernen Armeen, allerdings nur noch als Begleitmaßnahme für viel tiefer greifende Veränderungen im Berufsbild der Soldaten.

Künftig, so heißt es in dem Bericht, werden die Gehirne der Kämpfer direkt manipuliert. Die Fortschritte der Neurowissenschaften sollen jetzt in verstärktem Maße dem Militär zugutekommen. Schon bei der Rekrutierung sollen Gehirnscans die Stärken und Schwächen jedes Rekruten diagnostizieren und dazu beitragen, dass seine geistigen Fähigkeiten optimal genutzt werden. So will man feststellen, ob jemand besonders gut darin ist, Zielobjekte in einer unübersichtlichen Umgebung auszumachen, oder ob seine Stärke vor allem darin liegt, unter dem extremen Stress eines feindlichen Beschusses richtige Entscheidungen zu treffen. Bisher wurde bei der Musterung vor allem auf körperliche Fitness der Rekruten Wert gelegt.

Im nächsten Schritt werden die ermittelten Fähigkeiten weiter ausgebaut. Dafür kommen zwei Neuro-Technologien infrage: die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) und die transkranielle Ultraschallstimulation (tUSS). In beiden Fällen wird das Gehirn der Soldaten durch die Schädeldecke stimuliert, ohne dass Elektroden in das Gehirn eingeführt werden müssen.

Bei tDCS werden kaum spürbare Gleichströme an bestimmten Regionen der Schädeldecke angelegt – das wirkt wie ein Turbo fürs Gehirn. An der amerikanischen Universität of New Mexico ist es einem Forscherteam um Vince Clark gelungen, ein Virtual-Reality-Trainingsprogramm für GIs zu entwickeln, das ihre Überlebenschancen bei Einsätzen in Nahen Osten oder in Afghanistan signifikant erhöht. Durch Neurostimulationen gelang es den Soldaten besser, Selbstmordattentäter, Sniper-Schützen und andere versteckte Gefahren im Operationsfeld wahrzunehmen. „Mit tDCS erkannten sie die Ziele erheblich schneller“, sagte Clark, „und ihre Zuverlässigkeit in der Zielerkennung verdoppelte sich. Ich war schockiert darüber, wie starkt der Effekt durch tDCS war.“

William Tyler von der Arizona State University arbeitet mit Unerstützung der US Army Research Development and Engeneering Command (RDECOM), des Army Research Laboratory (ARL) und der Defence Advanced Research Projects Agency (DARPA) an einem Spezialhelm, der nicht nur über vier Sender gezielter Ultraschallimpulse in tiefere Gehirnregionen schicken kann, sondern auch Gehirnaktivitäten misst und analysiert. Diese Ultraschallstimulation soll die Aufmerksamkeit der Soldaten erhöhen und verlängern, das Schlafbedürfnis ausschalten, Angst und Stress reduzieren, nach Verwundungen das Schmerzzentrum lahmlegen und die Kommandos der Offiziere direkt ins Gehirn einspielen.

Das ist der erste Schritt zum komplett neuronal vernetzten Cyber-Krieger. „BMIs“ lautet das neue Zauberwort des Militärs: Brain-Machine-Interfaces, Schnittstellen zwischen Gehirn der Soldaten und Waffensystemen. Es hat sich nämlich gezeigt, dass das menschliche Gehirn sehr viel besser als jeder Computer in der Lage ist, komplexe Zielsituationen zu entschlüsseln und eine angemessene Reaktion einzuleiten – vorausgesetzt, es gelingt den Militärs, das Bewusstsein der Soldaten auszuschlaten. Wenn die Marines und GIs nämlich erst einmal anfangen zu bewerten, ob es wirklich moralisch vertretbar ist, das anvisierte Ziel zu zerstören, vergeht viel zu viel Zeit für eine effektive Bekämpfung des Zieles.

Deshalb versuchen die Forscher per EEG (Elektroenzephalogramm) die Gehirnströme direkt aus dem Unterbewusstsein abzuleiten, bevor sie in Gehirnregionen gelangen, die im Verdacht stehen, für Moral und Gefühle zuständig zu sein: das VMPFC-Areal über dem Auge oder die temporoparietale Junction hinter dem rechten Ohr.

Die per EEG aufgefangenen Gehirnströme werden nun direkt mit dem Computer in den Waffensystemen von Rakentenwerfern, Maschinengewehren und bemannten sowie unbemannten Flugzeugen verbunden. Damit wird eine mögliche Schießhemmung der Soldaten ausgeschlatet. Trotz der modernen Neuro-Technologien wollen die Militärs im Krieg nicht auf Drogen verzichten. Die BMIs funktionierten nämlich am besten, wenn das Gehirn der Soldaten mit Medikamenten auf seine Aufgabe vorbereitet wird. Um Müdigkeit, Angst, Schmerz oder Gefühle wie Mitleid auf dem Schlachtfeld auszuschalten, werden auch künftig Chemikalien eingesetzt. Und wenn der Cyber-Soldat sich dann schmerzfrei, stark und mutig wie Superman fühlt, werden seine Gehirnaktivitäten in Schießbefehle umgesetzt.

Die vornehme Royal Society allerdings warnt davor, dass dabei eine ganze Reihe rechtlicher Fragen ungeklärt sind. Wenn nämlich menschliche Gehirne und Computer direkt miteinander verbunden sind, wer trägt dann die Verantwortung, falls etwas schief geht? Oder anders gefragt: Wer gibt in diesem BMI-Verbundsystem in Wirklichkeit die Befehle? Der Soldat? Oder der Computer?

Aber derart feinsinnige Unterscheidungen waren im Krieg noch nie besonders gefragt. Nach dem Massaker von Haditha tat das US-Militär zunächst so, als ob das Blutbad an Frauen und Kindern völlig normal gewesen wäre. Erst als Filmaufnahmen einer unbemannten Überwachungsdrohne vom Typ Scan Eagle in der Öffentlichkeit auftauchten, stellte die US-Army die beteiligten Soldaten vor Gericht. Alle bis auf einen wurden frei gesprochen. Der eine erhielt eine Haftstrafe von drei Monaten, die er allerdings nicht antreten musste. Im Krieg gelten eben andere Regeln.

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